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07.03.2018 - Pressetext der Backnanger Kreiszeitung zum KreisLandFrauentag "70 Jahre KreislandFrauen Rems Murr"

Mit neuen Ideen Nachwuchs finden

Pressetext der Backnanger Kreiszeitung  zum LandFrauentag: 

von Sarah Schwellinger

Beim Landfrauentag feiern die Kreislandfrauen ihr 70-jähriges Bestehen – Mit breitem Angebot wollen sie neue Mitglieder finden

Die Landfrauen sind bekannt für gute Kuchen und gemütliche Feste. Doch vor allem junge Landfrauen engagieren sich für neue Themen und arbeiten mit originellen Angeboten gegen das angestaubte Image. Simone Schif aus Großerlach und Katja Trefz von den Landfrauen Althütte gehören sozusagen zum enthusiastischen Nachwuchs. 

BACKNANG. Es wird gefeiert und sie strömen ins Bürgerhaus: 70 Jahre Kreislandfrauen Rems-Murr. Drinnen füllen sich die Plätze an den mit Blumen dekorierten Tischen. Man kennt sich, lacht, hält hier und da ein Pläuschchen. Kinder springen durch die Reihen. Der Frauenanteil ist hoch – sehr hoch.

„Wir Landfrauen wollen zeigen, dass das Klischee nicht mehr stimmt, sondern sich gewandelt hat. Es ist nicht nur Kuchen backen.“ Simone Schif ist Ortsvorsteherin der Landfrauen Großerlach und Vorstandsmitglied im Kreisverband. Mit ihren 28 Jahren ist sie eine der Jungen im Verein und die jüngste Ortsvorsteherin des Rems-Murr-Kreises.

Zu ihrem Verständnis einer modernen Landfrau gehört auch, politisch vertreten zu sein: „Wir stehen immer auch im Austausch mit Politikern und sind die größte Interessensgemeinschaft Baden-Württembergs.“

Ob es dennoch so ist, dass der Altersdurchschnitt sehr hoch ist? „Ja“, gibt Katja Trefz der Landfrauen Althütte zu. Sie zählt mit 42 Jahren zur jüngeren Generation, ist sich aber sicher, dass sich dies mit einem guten Auftreten nach außen und dem passenden Angebot ändern könne. „Landfrauen haben einen Bildungsauftrag“, sagt sie bestimmt. Auch Simone Schif pflichtet ihr bei: „Neben der VHS bieten wir die meisten Bildungsangebote.“ Das reicht vom PC- bis zumSportkurs. Natürlich gehört auch das Backen mit ins Programm der Landfrauen – eben jedes Thema, das für Frau und Familie interessant sein könnte. „Aber dann machen wir moderne Kochkurse, backen Motivtorten oder Ähnliches“, so Schif.

Das angestaubte Image muss weg, die moderne Landfrau muss her. Doch Schif macht sich nur wenig Sorgen, was den Nachwuchs betrifft. Das Selbermachen liege schließlich wieder im Trend, der Do-it-yourself-Grundgedanke wieder im Kommen. „Wir merken, dass vor allem Familien wieder auf der Suche nach Entschleunigung sind“, so die 28-Jährige.

Von klein auf in Kontakt

mit den Landfrauen

Sich aufs Dorfleben konzentrieren, die Heimat gestalten, Kommunizieren und Austauschen sind Punkte, die immer wichtiger werden in einer Gesellschaft, die immer schnelllebiger funktionieren muss. „Wir als Landfrauen sind da die richtigen Ansprechpartner. Wir sind nah am Gemeindegeschehen, gestalten es mit und wahren die Traditionen“, sagt Schif, und Trefz ergänzt: „Wir sind zwar Frauen vom Land, aber es ist lange nicht mehr so, dass jede von uns einen Bauernhof hat.“ Sie vermitteln, was Landleben heutzutage bedeutet.

Auch Kinder werden schon mit ins Landfrauengeschehen miteinbezogen. „Wir wollen den Kindern schon eine bewusste Ernährung weitervermitteln“, erklärt Katja Trefz. Es wird gekocht und gebacken – mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln. „Sie lernen, mit Lebensmitteln umzugehen. Nicht einfach das reinzustopfen, worauf man gerade Lust hat, sondern was die Natur hergibt.“ Die 42-jährige Althüttener Landfrau leitet selbst eine Kindergruppe. Die jedoch hat nichts mit Essen, aber mit Singen zu tun. „Die Fidelfeger“ nennt sich der Kinderchor, der seit 15 Jahren bei den Landfrauen Althütte besteht. „Wir waren die erste Kindergruppe Deutschlands“, sagt Trefz und lächelt stolz.

Juniormitglieder nennen die Landfrauen den jüngsten Nachwuchs. Die Kinder nehmen von klein auf am Vereinsleben teil, übernehmen als Jugendliche mehr und mehr Verantwortung. Andere erfahren über Mundpropaganda oder Veranstaltungen von den Landfrauen. „So eine Veranstaltung wie heute ist deshalb so wichtig, weil wir nach außen tragen, dass es uns noch gibt und wir aktiv sind, unser Angebot vielfältig“, erklärt Schif.

Während sich das Bürgerhaus füllt, füllen die Besucher noch die Gläser, und wie versprochen fehlt auch die politische Prominenz nicht: Oberbürgermeister Frank Nopper und Landrat Richard Sigel lassen sich den Abend nicht entgehen und FDP-Politikerin und Kreisrätin Gudrun Senta Wilhelm spricht als Präsidentin des Vereins Politik mit Frauen darüber, was Frauen bewegen können.

Austausch, zeigen, was man macht, am Puls der Zeit stehen: „Wir müssen schauen, dass wir am Ball bleiben, attraktive Angebote schaffen, Werbung machen, nach außen präsent sein.“ Simone Schif kam über ihre Mutter und Großmutter zu den Landfrauen Großerlach. Für sie selbst war es gar keine Frage, beizutreten. Sie hat nun jegliche Online-Aufgaben übernommen, auch bei Facebook wollen sie dabei sein.

Neue Themen, neue Impulse,

zukunftsorientiert arbeiten

 

Trefz pflichtet ihr bei: „Wir müssen stetig zeigen, dass wir nicht eingerostet sind. Sondern zukunftsorientiert arbeiten und immer neue Themen finden.“ Gerade deshalb sei auch ein Tag wie dieser im Bürgerhaus so wichtig. Neue Themen und Anregungen gibt es hier genug, denn es zählen 38 Ortsgruppen zum Kreisverband. Von den 555000 Mitgliedern bundesweit sind 5000 Mitglieder allein aus dem Kreisverband Rems-Murr.

Und das sind nicht allein Frauen: Die Landfrauen verstehen sich keineswegs als eine reine Frauengruppe. Vielmehr als eine Familienangelegenheit. Auch Männer seien Mitglieder, Kinder in den Juniorgruppen sowieso. Dementsprechend ist auch das Angebot auf Familien ausgebaut, was Ausflüge, Sportstunden, Themenabende oder auch die Gruppeneinteilung angeht.

Doch ist es allgemein schwierig, Nachwuchs zu finden? Da sind sich die beiden einig: Schwierig ja, die ältere Generation nehme immer noch den Großteil der Mitgliederzahlen ein. Doch: „In Althütte sind wir 155 Mitglieder und davon schätzungsweise 50 bis 70 Kinder“, weiß Trefz. Doch die Landfrauen sind angewiesen auf zwei wie Schif und Trefz: Sie zeigen Einsatz, haben nach recht kurzer Mitgliedschaft bei den Landfrauen einen Posten im Ortsvorstand übernommen. Sie engagieren sich für ein buntes Themenprogramm, offene Herzlichkeit, familiäre Atmosphäre und vor allem eines – regen Austausch.

 

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